Das haben wir Antonius Ratte gefragt: Er ist Medizinstudent aus Kiel und Bundeskoordinator der AG Medizinische Ausbildung in der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland, bvmd.

Warum Famulatur? Was bringt sie und was lernt man dort?

Das Ziel der Famulatur ist, dass man einen Einblick bekommt in das tägliche Leben eines Arztes. Dass man sieht, wie in verschiedenen Bereichen eigentlich gearbeitet wird und dass man bereits beginnt, das theoretische Wissen und die praktischen Fertigkeiten, die man im Studium gewonnen hat, am Patienten anzuwenden.

Welche Tätigkeiten können Studenten im Rahmen der Famulatur durchführen?

Das kommt ganz darauf an: Die Versorgung im ambulanten und im stationären Bereich unterscheidet sich natürlich beträchtlich. Auf einer Station im Krankenhaus geht es meistens los mit Blutabnehmen, später kann man eventuell auch Infusionen anhängen und Zugänge legen. Auf einer chirurgischen Station kann man Operationen beiwohnen und auch assistieren. Im ambulanten Bereich hingegen lernt man mehr über gründliche Anamnesen und grundlegende körperliche Untersuchungen. Es ist aber auch möglich, Ultraschalluntersuchungen am Patienten zu machen – die müssen zwar später noch einmal vom Arzt selbst durchgeführt werden, man kann dabei aber schon einiges lernen. Man sieht im ambulanten Bereich natürlich wesentlich mehr Patienten als auf einer Krankenhausstation mit beispielsweise zwölf Betten. Letztlich macht es die Mischung, deswegen gliedern sich Famulaturen ja auch in vier Abschnitte: zwei Monate im stationären Bereich, ein Monat im ambulanten Bereich und ein Monat beim Hausarzt.

Infusionen anhängen, Blut abnehmen, Zugänge legen: Was ist, wenn was schief geht? Bin ich als Famulant haftbar?

Nein. Als Student ist man über die Universitätsklinik versichert. Beim niedergelassenen Arzt zeichnet dieser verantwortlich. Es ist ja auch klar, dass man solche Tätigkeiten auch erst dann ausüben kann, wenn der betreuende Arzt sich davon überzeugt hat, dass man dazu auch wirklich in der Lage ist.

Wie wichtig ist es, sich im Rahmen der Famulatur selbst zu engagieren?

Sehr wichtig! Die Famulatur ist bewusst sehr frei gehalten, man kann das also gemeinsam mit seinem Arzt so gestalten, wie man möchte. Wer will, kann 24 Stunden am Stück »im Dienst« bleiben – oder aber auch mittags nach Hause gehen. Entscheidend ist, dass man aktiv wird und mit dem Arzt bespricht, was man gerne tun möchte und was man gezeigt bekommen möchte. Wer sich da ein bisschen einbringt, kann unheimlich viel Praxiswissen aus der Famulatur mitnehmen. Wer sich allerdings zurücklehnt und passiv ist, wird keinen großen Nutzen aus der Famulatur ziehen.

Wie kann ich mich fachlich und persönlich auf die Famulatur vorbereiten?

Im Idealfall macht man eine Famulatur in einem Fachbereich, den man bereits kennt, sodass man fachlich schon einigermaßen sattelfest ist. Das ist natürlich nicht zwingend notwendig, aber sicherlich empfehlenswert. Ansonsten ist es sinnvoll, das tagsüber erworbene Wissen noch einmal über Lehrmaterial zu vertiefen, oder aber Fragen, die sich im Verlauf des Tags angesammelt haben, abends nachzubereiten oder auch mit dem betreuenden Arzt zu klären. Ansonsten gilt: aktiv sein, mitmachen, Hand anlegen. Famulatur macht Spaß!

Quelle: www.lass-dich-nieder.de