Im Interview berichtet die Gynäkologin Anna Fürniß_Ihns, die seit fünf Jahren in einer Berufsausübungsgemeinschaft in Mölln und Schwarzenbek niedergelassen ist, wie man es schaffen kann, den ärztlichen Nachwuchs für eine Tätigkeit imambulanten Bereich zu gewinnen.

Frau Dr. Fürniß-Ihns, Sie haben sich zum ersten Mal an der Nachwuchskampagne der KVSH „Mehr.Arzt.Leben!“ beteiligt. Was sprach dafür, sich zu engagieren?
Dr. Anna Fürniß-Ihns: Unser Berufsverband suchte eine junge Gynäkologin als Referentin für die Uni-Sprechstunde. Sie sollte noch nicht so lange niedergelassen sein, Spaß an ihrer Arbeit und am besten Kinder haben. Da das alles auf mich zutrifft, habe ich mich gemeldet.

Als Referentin standen Sie ja gleich voll im Rampenlicht. Was wollten die Studierenden alles von Ihnen wissen?
Fürniß-Ihns: Das Fragenspektrum war wirklich sehr breit. Es reichte von der Frage „Wie viel kostet ein Praxiseinstieg?“ bis zur Frage „Wie finde ich eine Weiterbildungsstelle im niedergelassenen Bereich?“.

Welche drei Kernbotschaften haben Sie zum Thema Niederlassung weitergeben wollen?
Fürniß-Ihns: Als Niedergelassener kann man seine Familie gut versorgen, schläft jede Nacht im eigenen Bett und hat jedes Wochenende Zeit für seine Liebsten.

Das sind ja gute Aussichten. Wie fiel die Reaktion der Studierenden aus?
Fürniß-Ihns: Die Reaktion war schwer zu deuten. Es kamen aber auch Fragen zu diesem Thema, z. B. wie man Schwangerschaft und Niederlassung miteinander vereinbaren kann. Daher habe ich schon den Eindruck, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Studierenden sehr wichtig ist und meine Botschaften deshalb auch ankamen.

Bei welchem Thema gab es Aufklärungsbedarf?
Fürniß-Ihns: Ich hatte den Eindruck, dass vor allem Angst vor dem wirtschaftlichen Risiko einer Niederlassung besteht. Die Studierenden sorgen sich, nicht ausreichend zu verdienen, nicht genügend finanziell abgesichert zu sein oder sogar wirtschaftlich komplett scheitern zu können.

Bestehen diese Ängste zu Recht?
Fürniß-Ihns: Nein, diese Sorgen halte ich für unbegründet und das habe ich den Studierenden auch so gesagt. Natürlich bin ich als Niedergelassene auch in gewisser Weise Unternehmerin, aber durch die mittlerweile sehr flexiblen Arbeitsformen von Jobsharing über Anstellung bis hin zur Niederlassung gibt es viele Möglichkeiten, um sehr sanft in diese Verantwortung als Unternehmerin hineinzuwachsen.

Welche Aktionen könnten noch dabei helfen, den ärztlichen Nachwuchs für die Niederlassung zu begeistern?
Fürniß-Ihns: Es ist wichtig, direkt an die Weiterbildungsassistenten in der Klinik heranzutreten. Die Weiterbildung muss zum großen Teil zwar in der Klinik stattfinden, aber danach ist die Weiterbildung in der Praxis eine tolle Möglichkeit, das Arbeiten im niedergelassenen Bereich kennenzulernen. Wir haben in unserer Praxis auch Weiterbildungsassistentinnen, die nach der Facharztprüfung auch weiter bei uns als angestellte Fachärztinnen arbeiten können.

Wollen Sie sich weiter in der Nachwuchsarbeit engagieren?
Fürniß-Ihns: Auf jeden Fall. Mir macht es einfach Spaß, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzuvermitteln. Die jungen Kolleginnen sind außerdem eine echte Bereicherung für unsere Praxis. Übrigens suchen wir ab April 2016 wieder eine Ärztin bzw. Arzt in Weiterbildung für den Standort Mölln, Mail: info@ praxisfuerdiefrau.de, Tel. 04151 4886. Wir freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen.