Dr. Claus Jaeckel – Beliebter Lehrarzt für Allgemeinmedizin

Dr. Claus Jaeckel engagiert sich seit vielen Jahren in der Ausbildung von angehenden Hausärzten. Der Landarzt, der seit dreißig Jahren eine Praxis in Süderbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) führt, hat seitdem viele Blockpraktikanten für die Allgemeinmedizin begeistert, Famulanten betreut und Ärzte in Weiterbildung auf ihrem Weg in die Niederlassung begleitet.

Rund 200 Lehrpraxen in Schleswig-Holstein stehen für die Betreuung der Ausbildungsabschnitte „Blockpraktikum“ und „Praktisches Jahr“ bereit. Das frisch polierte Schild an der Eingangstür zeigt, dass auch in der Praxis von Dr. Claus Jaeckel der medizinische Nachwuchs von morgen ausgebildet wird: „Akademische Lehrpraxis der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel“ steht dort geschrieben. Jaeckel ist Überzeugungstäter. „Ich liebe es, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten und sie an meinem Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen“, berichtet der 61-jährige gebürtige Süderbraruper, der nach dem Studium in Mainz und Münster 1985 die Praxis seines Vaters in der 4.000 Einwohner-Gemeinde in Angeln übernahm. Eine Entscheidung, die der überzeugte Landarzt nie bereut hat. „Ich bin mit Leib und Seele Hausarzt und das lebe ich den Studierenden auch vor“, erklärt Jaeckel. Für seine Frau Gerlinde und ihn ist die Zeit, die sie gemeinsam mit den Medizinstudierenden verbringen, eine echte Herzensangelegenheit. Die Nachwuchsmediziner haben Familienanschluss und wohnen in einem der beiden Häuser des Ehepaares – im Sommer in Boknis direkt an der Schlei und im Winter im kombinierten Praxis-Wohnhaus im Zentrum Süderbrarups. Schleswig-Holstein habe landschaftlich und vom Freizeitwert her betrachtet sehr viel zu bieten. „Das zeige ich auch gern. Eine Fahrt zum Hausbesuch in meinem alten Jaguar-Cabriolet durch die schöne Landschaft Angelns hat bisher noch jeden meiner Studierenden begeistert“, berichtet der Landarzt.

Lohnendes Engagement

Jaeckel ist davon überzeugt, dass sich erfahrene und motivierte Hausärzte unbedingt an der Ausbildung der nächsten Ärztegeneration beteiligen sollten, um möglichst frühzeitig Werbung für den eigenen Berufsstand zu machen. Die Ausbildung der Studierenden sei sehr kliniklastig und gegenüber der Niederlassung gebe es viele Vorbehalte oder unrealistische Vorstellungen. Das zeige sich z. B. bei den Berufswünschen der Jungmediziner: „Es sind ja heutzutage überwiegend junge Frauen, die Medizin studieren. Von ihnen sagen mir gefühlte 80 Prozent, dass sie später Kinderärztin werden wollen. Wir Hausärzte müssen daher dringend die Chance nutzen und uns in die Ausbildung einbringen, um mehr junge Mediziner für die Allgemeinmedizin und die Niederlassung zu begeistern. Wenn wir alten Hasen es nicht machen und unsere Arbeit gut rüberbringen, wer dann?“, so Jaeckel mit Nachdruck. Engagement in der Nachwuchsarbeit führe am Ende auch zu Ergebnissen. Zwei Ärzte, die ihre Weiterbildungszeit bei Jaeckel gemacht haben, haben sich später ganz in der Nähe niedergelassen. Auch die Studierenden gaben seiner Lehrpraxis in ihren Bewertungsbögen bisher immer Bestnoten. Eine Medizinstudentin aus Kiel bedankte sich in einem Eintrag ins Gästebuch der Jaeckels für die „unvergessliche Woche“ und schrieb als Fazit: „Allgemeinmedizin/Landarzt ist auf meiner ‚Was will ich später einmal machen’-Liste nun wieder auf Platz 1.“

Erfolgsrezept für eine gute Ausbildung

Bei der Ausbildung der Jungmediziner setzt Jaeckel vom ersten Tag an auf Praxisnähe. „Die Studierenden verlassen den Elfenbeinturm Universität und begegnen in der Lehrpraxis der gesellschaftlichen Realität. Das sorgt zunächst oft für Erschrecken, später aber auch für Begeisterung“, stellt Jaeckel fest, der gern unkonventionelle Unterrichtsmethoden anwendet. Das Nähen von Wunden wird an Schweinefüßen geübt, die direkt aus der benachbarten Schlachterei geliefert werden. In seiner Landarztpraxis erhalten die Studierenden während der gesamten Praktikumszeit eine 1:1-Betreuung. „Die Studenten sollen spüren, dass sie bei uns willkommen sind. Sie können alle Dinge lernen, die das breite und anspruchsvolle medizinische und soziale Spektrum einer Hausarztpraxis ausmachen“, erklärt der Allgemeinmediziner. Schwerpunkt sei das ärztliche Gespräch und die wichtigsten Grundsätze der Patientenführung. Dazu komme die Diagnostik und Therapie von Notfällen, Vorsorgeuntersuchungen von Säuglingen, Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Hausbesuche, die kleine Chirurgie und vor allem die selbstständige Diagnostik und Therapie verschiedenster Krankheitsbilder. Der Landarzt, den im Ort alle nur Doktor Claus nennen, ist begeistert von der hohen Motivation der Studierenden. „Sie sind alle sehr engagiert und auf fachlichtheoretischem Gebiet auf einem sehr guten Stand“, so seine Feststellung. Da könne er selbst manchmal eine Menge dazulernen.

Praxisnähe als Leitmotiv

Defizite gebe es in anderen Bereichen. Die Studierenden müssten lernen, den Patienten auch mal anzufassen und aus den verschiedensten Symptomen die richtige Diagnose zu ermitteln. Auch der Einstieg ins Patientengespräch wirke anfangs oft noch etwas geschäftsmäßig und steif. „Übung macht den Meister und wir haben im Praxisbetrieb eine große Spannbreite von Fällen zu bieten, um langsam sicherer zu werden. Bei uns werden auch Säuglinge untersucht, Patienten mit akutem Koronarsyndrom mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, Katheter gelegt und Platzwunden genäht“, berichtet Jaeckel. „Die Ausbildung ist für mich zwar mit einem gewissen Aufwand verbunden, aber ich bekomme sehr viel zurück“, so sein Fazit. In früheren Jahren habe er außerdem auch ein strategisches Interesse gehabt, sich um die nachwachsende Ärztegeneration zu kümmern. „Ich habe natürlich gehofft, dass vielleicht jemand hängenbleibt und eines Tages meine Praxis, die bereits in der fünften Generation am Standort Süderbrarup besteht, übernimmt.“ Doch mittlerweile hat sich eine andere Lösung ergeben. Jaeckel übergibt seine Praxis 2019 an eine Ärztin, die nicht als Studentin bei ihm gearbeitet hat. „Die Kollegin wird über den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin wechseln und dazu einen Teil ihrer Ausbildung bei mir in der Praxis machen. Sie ist übrigens von Haus aus Kinderärztin“, schmunzelt Jaeckel.