Dr. Christof Nickel – Selbstständigkeit ist genau sein Ding

Dr. Christof Nickel hat das getan, was immer weniger Ärzte tun: Der 47-Jährige machte sich selbstständig.

Schon beim ersten Blick in die modern und zeitlos eingerichteten Praxisräume im Hermann-Ehlers-Weg in Elmshorn wird klar, dass Gefäßchirurg Dr. Christof Nickel auch optisch am liebsten nichts dem Zufall überlässt. Eine klare Struktur und ein professionelles Erscheinungsbild sind ihm wichtig. „Ich hätte auch Architekt werden können. Den Studienplatz hatte ich schon, aber Medizin war besser“, berichtet der Gefäßchirurg, der Anfang April 2015 seine neue Praxis mit den medizinischen Schwerpunkten Katheterinterventionen, Varizenbehandlungen und Operation von Bauchaortenaneurysmen eröffnete. Der gebürtige Stuttgarter hatte vorher 17 Jahre lang am Elmshorner Krankenhaus gearbeitet, zuletzt schwerpunktmässig im Katheterlabor. Schon als junger Arzt hatte Nickel das Ziel, irgendwann eine eigene Praxis zu führen. „Ich wollte in kein gemachtes Nest und mich irgendwo dranhängen, sondern selbst gestalten. Deshalb war die Neugründung als Einzelpraxis für mich eine stimmige Sache“, so Nickel. Von der ersten Idee bis zur Niederlassung dauerte es aber doch etwas länger. Erst als er nach mehreren erfolglosen Versuchen endlich einen chirurgischen Praxissitz im Kreis Pinneberg übernehmen und diesen gleich darauf an einen günstigeren Standort mit geeigneten Räumlichkeiten verlegen konnte, stimmten die Rahmenbedingungen für den Schritt in die Selbstständigkeit.

Planung mit Profis
Vorher musste der Praxisgründer allerdings noch den Finanz-Check bei seinem Steuerberater überstehen. Dieser prüfte den Traum von der Niederlassung auf Herz und Nieren und stellte gleich einige unangenehme Fragen: „Wie wollen Sie die jährlichen Kosten für Miete, Personal und Inventar erwirtschaften?“, „Haben Sie schriftliche Kooperationsverträge mit Krankenhäusern?“, „Wie wollen Sie an Patienten kommen?“. Nickel hatte daraufhin einige schlaflose Nächte. Er ließ sich aber nicht beirren und stellte einen Investitionsplan auf. Auch die Bewerbung seiner zukünftigen Praxis stand auf dem Programm. Der Gefäßchirurg hatte zwar viele Patienten aus seiner Klinikzeit und war sich sicher, dass sie ihm in die neue Praxis folgen würden, bei den Haus- und Fachärzten sah er aber noch Informationsbedarf. „Ich bin dann durch die Lande gezogen, habe 65 Praxen mit insgesamt 85 Ärzten besucht, mich vorgestellt und meine Praxisflyer und Visitenkarten verteilt“. Nickel stellte außerdem einen Entwicklungsplan auf, der festlegt, wo seine Praxis hinsichtlich Patientenzahlen, Umsatz- und Personalentwicklung in einem, in drei und in fünf Jahren stehen soll. Dazu holte er sich professionelle Unterstützung bei einem Finanzberater, der unter anderem die Kreditverhandlungen mit den Banken übernahm. Von dort kam sofort grünes Licht für das Projekt. „Ich bekam als niederlassungsbereiter Arzt super Konditionen eingeräumt: Kategorie A mit Niedrigzins“, berichtet Nickel.

Vorteile durch die Selbstständigkeit
Anderthalb Jahre nach der Eröffnung steht Nickels Praxis bereits an einem Punkt, wo sie eigentlich erst in drei Jahren stehen sollte. „Es geht alles sehr viel schneller voran als gedacht. Der Bedarf an gefäßchirurgischen Leistungen ist riesig und und es besteht Bedarf für einen zweiten Gefäßchirurgen in meiner Praxis“, erklärt Nickel. Ohne seine beiden Mitarbeiterinnen Kaja Behncke und Britta Steenfatt wäre das anspruchsvolle medizinische und organisatorische Tagespensum nicht zu schaffen. Mit der Personalverantwortung hat Nickel kein Problem. „Ich bin Chef und habe in der Praxis die Richtlinienkompetenz. Mein Personal soll sich wohlfühlen, denn mir ist ein gutes Betriebsklima sehr wichtig. Meine Helferinnen ziehen voll mit und haben bisher noch nicht einen einzigen Fehltag“. Die Startphase sei natürlich für alle sehr anstrengend gewesen und das hohe Arbeitspensum habe sich seitdem nicht wesentlich geändert. Momentan arbeitet der Praxisgründer immer noch rund 75 Stunden die Woche – inklusive Wochenende. Für Familie und Hobbys bleibe da wenig Zeit. Nickel, der alle Arten von Wassersport, wie Kitesurfen oder Wellenreiten liebt, ist mit einer Radiologin verheiratet. Beide haben einen siebenjährigen Sohn.

Positive Gesamtbilanz
Für den Gefäßchirurgen, der nach Möglichkeit jeden Tag mit dem Fahrrad zur Praxis kommt, war der Schritt in die Selbstständigkeit trotz hoher Arbeitsbelastung und einigen bürokratischen Hindernissen die beste Entscheidung seines Lebens. „Ich kann jetzt mein Ding machen“, erklärt er. Wenn man als Praxisgründer etwas erreichen wolle, müsse man sich kümmern, beharrlich bleiben, langfristig denken, nach Kooperationen suchen und sich auch berufspolitisch engagieren. Dazu ist Nickel bereit. Gerade wurde er als stellvertretendes Mitglied für den Kreis Pinneberg in die Abgeordnetenversammlung der KVSH gewählt. In Zukunft würde er sich einen erfahrenen ärztlichen Mentor als Begleitung für den weiteren Niederlassungsprozess wünschen. „Ich bräuchte manchmal jemanden, den ich einfach mal so anrufen kann. Ich habe bereits vor der Praxisgründung bei zwei niedergelassenen Kollegen hospitiert und mir angesehen, wie die das so machen“, erläutert Nickel.