Dr. Torsten Ahnsel – Hausarzt und Mannschaftsarzt

Im Handball ist Schleswig-Holstein Spitze: Neben Serienmeister THW Kiel spielt auch die SG Flensburg-Handewitt regelmäßig um die Deutsche Meisterschaft und gewann in diesem Jahr sogar sensationell die Champions League. Zu einem echten Spitzenteam gehört eine optimale medizinische Betreuung. Bei der SG ist dafür ein Team von medizinischen Spezialisten um Dr. Torsten Ahnsel verantwortlich.

Vor dreieinhalb Jahren wurde der seit elf Jahren in Flensburg-Engelsby niedergelassene Hausarzt und Sport und Notfallmediziner gefragt, ob er den Posten als Mannschaftsarzt bei der SG Flensburg-Handewitt übernehmen wolle. Für den 45-Jährigen, stand die Antwort sofort fest: „Das willst du machen.“ Vom ersten Tag seines Engagements an bestimmt nun der Handball seinen Wochenrhythmus. Als Mannschaftsarzt ist er bei allen Heimspielen der SG in der Bundesliga und im Pokal dabei. Dazu kommen die Auswärtsspiele in Kiel, Hamburg, Berlin und Hannover und die Begegnungen in der Champions League, die besonderen Aufwand erfordern. „Die Reisen nach Osteuropa müssen sehr gut vorbereitet sein. Wenn wir z. B. in Moskau spielen, haben wir unser gesamtes medizinisches Equipment dabei. Ich möchte nicht, dass unsere Spieler im Fall der Fälle in einem russischen Krankenhaus versorgt werden müssen.“ Auf der internationalen Bühne gibt es sogar noch weiter entfernt liegende Spielorte. „Wir sind nicht nur in Europa unterwegs. Erst vor kurzem bin ich mit der Mannschaft zur Handball-Klub-WM nach Katar gereist. Das ist schon eine andere Welt“, berichtet Ahnsel.

Der Reiz der Arbeit

Dazu kommen das wöchentliche Training, Leistungstests, Besprechungen mit den vier Physiotherapeuten und den Vereinsverantwortlichen und natürlich nicht geplante Termine, wenn z. B. Verletzungen auftreten. Der Haus- und Mannschaftsarzt kann nur deshalb so flexibel sein, weil ihn seine Frau Dr. Barbara Tüxen-Ahnsel, seine Schwiegereltern Dr. Brigitte und Dr. Dietrich Tüxen und Dr. Heike Löschen-Wegener, angestellte Ärztin, in der Praxis entlasten: „Ohne Teamwork wäre es nicht machbar, beides miteinander zu machen.“ Trotz der hohen Belastung hat Ahnsel es noch nicht einen Tag bereut, den Full-Time-Job bei der SG angenommen zu haben. Finanzielle Aspekte gaben dabei nicht den Ausschlag. „Für den Job muss man einfach brennen. Ich bekomme zwar eine Aufwandsentschädigung vom Verein, aber wenn ich meinen Stundenlohn ausrechnen würde, dürfte ich das eigentlich nicht machen“, erklärt der Allgemeinmediziner.Der größte Lohn für seine Arbeit sind da eher die vielen unbezahlbaren Erlebnisse mit der Mannschaft, wie z. B. der unerwartete Champions League-Erfolg der Flensburger „Underdogs“ gegen die favorisierten Teams aus Barcelona und Kiel im letzten Sommer beim Final Four in Köln. „Das war wie ein Traum und einfach nur schön.“

Nah an der Mannschaft

Dazu kommt das angenehme Arbeiten mit den Profis. „Das sind alles Leistungssportler, die wissen, dass ihr Körper ihr wichtigstes Kapital ist. Sie gehen deshalb auch entsprechend bewusst mit ihm um und sind sehr dankbar, wenn ich sie dabei unterstütze“, so Ahnsel. Zu vielen Spielern hat der zweifache Familienvater ein sehr persönliches Verhältnis aufgebaut. „Einige von ihnen haben ihre Familien mit nach Flensburg gebracht. Die Frauen und Kinder sind oft auch Patienten in der Hausarztpraxis. Da bin ich neben meiner Rolle als Mannschaftsarzt gleichzeitig Familienmediziner“, so Ahnsel. Im Umgang mit den Handballstars ist immer besonderes Fingerspitzengefühl gefordert. Gerade ältere Spieler müsse er manchmal vor sich selbst schützen, weil sie ihrem Körper zu viel zumuten und sich damit mittel- bis langfristig selbst schaden, erklärt Ahnsel. Das gelte auch für Spieler, die in jedem Spiel immer alles geben, extrem ehrgeizig sind und deshalb nicht auf die Warnsignale ihres Körpers hören. „Da muss ich dann etwas Druck aus dem Kessel nehmen. Das Miteinanderreden ist da entscheidend, weil alle Spieler als Profis mental sehr fixiert sind und daher sensibel auf medizinische Befunde reagieren. Da wird aus Angst ansonsten schnell Panik“, weiß der Allgemeinmediziner.

Umgang mit den Verantwortlichen

Entscheidend ist außerdem sein sehr gutes Verhältnis zum Trainer. „Wir vertrauen uns. Ljubomir Vranjes ist der Chef. Er bestimmt den Trainingsplan in Sachen Taktik und Kondition. Als Mannschaftsarzt schaltet er mich ein, wenn medizinische Belange gefragt sind. Natürlich gibt es manchmal Diskussionen, z. B. wenn er einen angeschlagenen Spieler gern etwas früher wieder einsetzen möchte als die medizinische Abteilung. Aber am Ende finden wir immer einen guten Kompromiss“, erklärt Ahnsel. Er ist sich darüber bewusst, dass er ein Handballspiel als verantwortlicher Arzt auf der Mannschaftsbank immer mit etwas anderen Augen sieht. „Da schalte ich meine Emotionen komplett ab und lasse mich auch von der Atmosphäre in der Halle nicht beeindrucken. Über positive Resultate freue ich mich nebenbei und natürlich nach dem Spiel. Vorher bin ich voll und ganz Mediziner, achte auf die Laufwege der Spieler, ihre Bewegungen, immer bereit, notfalls sofort einzugreifen. Dazu kommt, dass ich bei Heimspielen oft auch für die Spieler der Gastmannschaft verantwortlich bin, denn die haben nicht immer einen eigenen Arzt dabei.“

Medizinische Kooperationen

In der medizinischen Betreuung der Mannschaft ist Ahnsel Teil eines größeren Teams, das auf vernetztes Arbeiten und professionelle Strukturen setzt. Vor jeder Saison werden bei allen Spielern und den Neuverpflichtungen spezielle Leistungstests, wie Spirometrie, EKG, Belastungs-EKG, Echokardiografie und Blutwertuntersuchungen durchgeführt. „Ich bin zwar als Mannschaftsarzt am dichtesten an den Spielern dran, aber allein könnte ich das Ganze nicht stemmen. Die Verantwortung wird immer auf mehrere Schultern verteilt. Eine schnelle Diagnostik und Therapie sind nur durch ein engmaschiges medizinisches Netz möglich. Das sektorenübergreifende Arbeiten steht bei der SG im Mittelpunkt. Sonst hätte ich den Job nicht angenommen“, erklärt Ahnsel, der intensiv mit Dr. Thorsten Lange, dem Chefarzt des Diakonissenkrankenhauses und Dr. Ernst Dünnweber, niedergelassener Orthopäde in Flensburg zusammenarbeitet. Außerdem tauscht er sich regelmäßig mit Ärzten aus unterschiedlichsten Nationen aus.