Dr. Thyra Caroline Bandholz – Kinder und Karriere

Eine eigene Praxis führen und gleichzeitig eine Familie gründen. Dies ist gerade für Ärztinnen eine große Herausforderung. Eine, die das erfolgreich meistert, ist Dr. Thyra Caroline Bandholz, Hautärztin aus Kiel und Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen.

Immer mehr ausgebildete Ärztinnen und Ärzte entscheiden sich gegen eine Niederlassung und wandern in alternative Berufsfelder oder ins Ausland ab. Als Grund dafür wird unter anderem angegeben, dass sich in der ärztlichen Niederlassung Familie und Beruf schlecht vereinbaren ließen. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Dr. Thyra Caroline Bandholz: Das ist sehr abhängig von der Fachrichtung und der Struktur, in der eine Niederlassung angestrebt wird. Für Fachrichtungen, in denen häufig Notfallsituationen auftreten oder die Tätigkeit in einer großen Einzelpraxis, trifft es sicher zu, dass sich die Betreuung der Kinder und die Patientenversorgung schwerer koordinieren lassen. Aber grundsätzlich sind Familie und Beruf in der ärztlichen Niederlassung häufig viel einfacher zu vereinbaren, als dies in vielen Kliniken der Fall ist. Die Familienplanung ist aber nur ein Aspekt der Gründe für Abwanderung in alternative Berufsfelder und ins Ausland. Es zeigt sich ein genereller Trend, verkürzt arbeiten zu wollen. Dies ist in den bisherigen Strukturen unseres Systems nicht immer zu realisieren.

Was muss noch geschehen, um die Niederlassung gerade für Frauen attraktiver zu machen? Immerhin sind zwei Drittel der Medizinstudierenden weiblich.

Bandholz: Ich finde, wir haben einen der schönsten Berufe. Vielleicht sollten wir Niedergelassene unsere Freude an der Arbeit in der Praxis und unsere berufliche Zufriedenheit besser nach außen kommunizieren. Ich habe beobachtet, dass die vielen positiven Aspekte des Arztberufes bei Diskussionen in der Öffentlichkeit häufig etwas zu kurz kommen. Wir haben in der Niederlassung eigene Gestaltungsmöglichkeiten und damit können gerade Frauen häufig sehr kreativ umgehen. Diese Informationen lassen sich am besten im persönlichen Gespräch vermitteln. Wir müssen beispielsweise im Rahmen von Praxisnetzen, Qualitätszirkeln und Stammtischen versuchen, den Kontakt zwischen den Generationen herzustellen. Eine gute Kinderbetreuung ist selbstverständlich ein wichtiger Punkt. Nur wenn das gewährleistet ist, kann man beruhigt und mit gutem Gewissen zur Arbeit gehen.

Was raten Sie jungen Ärztinnen, wenn diese mit dem Gedanken spielen, sich in einer eigenen Praxis niederzulassen?

Bandholz: Frühzeitig Kontakt mit niedergelassenen Kollegen aufzunehmen und sich auszutauschen, um ein besseres Gefühl dafür zu entwickeln, was es bedeutet niedergelassen tätig zu sein.