Swantje Knopf – Mit Selbstbewusstsein angestellt

Eine Alternative zur Selbstständigkeit ist die Arbeit als angestellter Arzt in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum. Gerade junge Ärzte schätzen diese Möglichkeit, auch als Sprungbrett in die eigene Praxis. Nicht selten steigen sie nach den ersten Berufsjahren in die Selbstständigkeit ein und übernehmen die Praxis, wenn der Praxisinhaber in den Ruhestand geht. Swantje Knopf arbeitet zur Zeit als angestellte Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Anja Hollandt und Dr. Jörg Sandmann in Lübeck-Travemünde.

Welche Gründe sprechen in Ihrer jetzigen Lebens- und Karrierephase für eine Arbeit als angestellte Ärztin?

Swantje Knopf: Ich hatte viel Respekt vor der Niederlassung. Meine Berufserfahrung schien mir für den bürokratischen und finanziellen Aufwand, den eine Praxisübernahme bedeutet, nicht ausreichend zu sein. Ich habe daher ganz bewusst die Arbeit als angestellte Ärztin gewählt, um mir in Ruhe und aus der zweiten Reihe heraus anzuschauen, was an der Niederlassung so alles dranhängt. Eine Teilzeitlösung war mir nach der sehr arbeitsintensiven Zeit der Facharztausbildung auch wichtig. Ich muss nicht unbedingt 50 Stunden in der Woche arbeiten.

Wie beurteilen Sie Ihre Zukunftsperspektiven?

Knopf: Als junge Allgemeinmedizinerin sehe ich, wie viele meiner Jahrgangskollegen, sehr entspannt in die Zukunft. Wir haben keinen Druck, wissen, dass wir dringend gebraucht werden, und dass uns die Zukunft gehört. Wir können uns Zeit lassen. Ich bin jetzt Mitte 30 und kann mich auch mit Anfang oder Mitte 40 noch niederlassen. Das wird nicht so schwierig sein.

Fühlen Sie sich als angestellte Ärztin auch ein Stück weit als Freiberuflerin?
Knopf: Ja, voll und ganz. Meine Kollegen beziehen mich in alles mit ein, ich kenne alle Interna der Praxis und bin voll und ganz in die Abläufe mit eingebunden. Im medizinischen Bereich arbeite ich als Fachärztin ja ohnehin frei und selbstverantwortlich. Das empfinde ich als sehr positiv, weil ich auch jemand bin, der gern mitentscheidet. Nach außen ist es bei uns ohnehin zweitrangig, wer angestellt und wer Praxiseigentümer ist.

Könnten Sie sich vorstellen, nach einer gewissen „Start- und Schnupperphase“ im Angestelltenverhältnis später auch einen eigenen Praxissitz zu übernehmen?

Knopf: Ja, das ist momentan zwar kein Thema, aber ich kann es mir für einen späteren Zeitpunkt sehr gut vorstellen.

Welche Rahmenbedingungen sollten gegeben sein, damit junge Ärzte vielleicht noch früher eine eigene Praxis übernehmen?

Knopf: Es müssen viele Bereiche dringend entbürokratisiert werden. Wir verlieren zu viel Energie und Zeit, die wir lieber den Patienten widmen würden.

Freiberuflich tätig in der eigenen Praxis oder angestellt arbeiten? Welcher Form gehört Ihrer Meinung nach die Zukunft?

Knopf: Alle Formen werden bestehen bleiben, aber es gibt sicher Verschiebungen. Die Tendenz wird weg von der Einzelpraxis hin zur Gemeinschaftspraxis gehen. MVZ-Modelle haben gute Aussichten und auch der Bereich der angestellt arbeitenden Ärzte wird weiter wachsen. Wichtig ist die Vielfalt, denn sonst werden meine Generation und die noch selbstbewusstere Medizinergeneration nach mir in andere Bereiche abwandern.