Dr. Marina Rubin – Zufrieden in „Manhettenhof“

Dr. Marina Rubin ist dort hingegangen, wo sich lange Zeit niemand niederlassen wollte. Die Kinder- und Jugendärztin arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis in Kiel-Mettenhof, einem Stadtteil mit vielen sozialen Problemen.

Angefangen hat alles Anfang 2011. Dr. Marina Rubin arbeitete zu dieser Zeit noch an der Kinderklinik am UKSH in Kiel. Sie hatte aber schon längere Zeit zusammen mit ihren Klinikkollegen Heike Volquardsen und Dr. André Schrauder die Idee, eine eigene Kinderarztpraxis zu übernehmen. Dr. Dagmar Karstädt, die altgediente und sehr erfahrene Kinderärztin, die bisher den Stadtteil Kiel-Mettenhof allein versorgt hatte, wollte sich beruflich verändern und suchte schon seit vielen Jahren ohne Erfolg nach einem Nachfolger. Nun sollte sie endlich Glück haben. Für die junge Kinderärztin Rubin war die Lage der angebotenen Praxis in einem der sozialen Brennpunkte Kiels kein Ausschlusskriterium. Im Gegenteil: Sie hatte sofort Interesse und wusste ziemlich genau, worauf sie sich einlassen würde. Mettenhof ist der bevölkerungs- und kinderreichste Stadtteil mit vielen Sozialwohnungen. Dort würde also jede Menge Arbeit warten. „Das schreckte mich überhaupt nicht. Ich habe schon in der Klinik am liebsten direkt mit den Patienten zu tun gehabt, z. B. in der Ambulanz. Es geht um kranke Kinder, denen geholfen werden muss. Da ist es egal, aus welcher sozialen Schicht sie kommen oder welcher Nationalität sie angehören“, erklärt sie.

Sonderbedarfszulassung machte den Weg frei

Doch erst einmal mussten die organisatorischen Rahmenbedingungen für eine Niederlassung stimmen. Die abgebende Praxisinhaberin hatte jahrelang „für zwei“ gearbeitet. Das kam für Rubin nicht in Frage. Sie wollte ihre Kollegen aus der Klinik mit ins Boot holen und die Praxis als Gemeinschaftspraxis weiterführen. Schließlich ebnete eine Sonderbedarfszulassung den Weg für einen zweiten Arztsitz in Kiel-Mettenhof. „Wir arbeiten nun mit zwei Zulassungen. Ich hätte es mir als Mutter eines kleinen Sohnes schon zeitlich nicht zugetraut, so eine große Kinderarztpraxis, die außerdem die einzige hier im Stadtteil ist, allein zu führen. Insofern war der positive Bescheid des Zulassungsausschusses im Januar 2012 das Startsignal für uns, die Verträge an der Klinik zu kündigen und hier tatsächlich anzufangen“, erläutert Rubin.

Wechsel in die Niederlassung

Anfang Juli 2012 arbeitete sie zum ersten Mal in ihrer neuen Praxis, danach noch neun Monate überlappend zusammen mit Dr. Dagmar Karstädt. Rubin gefiel die Arbeit im multikulturellen Umfeld und sie bemerkte schnell, dass sie als Kinderärztin dort hohe fachliche Voraussetzungen mitbringen muss. Der Wechsel aus der Klinik in die Niederlassung kam ihr dabei fast wie der Wechsel in einen neuen Beruf vor. Eine echte Herausforderung waren die vielen verschiedenen Sprachen. Als die Schweinegrippe grassierte, musste das Praxisteam Patienteninformationen in insgesamt 23 Sprachen austeilen. „Aber wir wissen uns in solchen Fällen immer zu helfen: mit Händen und Füßen, Pantomime, Bildern aus dem Internet oder der Hilfe eines deutschsprechenden Familienmitglieds. Außerdem kennen unsere Helferinnen das soziale Umfeld der Patienten und wissen, wen man anrufen kann“, erklärt Rubin. Die Arbeit ist vielschichtig und jeder Tag ist anders. Neben den relativ einfach zu behandelnden Infektionskrankheiten bekommt die junge Kinderärztin es auch mit komplexeren Fällen wie Leber- und Herztransplantierten, Stoffwechselerkrankten sowie onkologischer Diagnostik und Nachsorge zu tun. Dazu kommt die ganze Palette von sozialpädiatrischen Problemen, bei denen sie mit Ämtern, Kindergärten und der Erziehungsberatung zusammenarbeitet. Das sei zwar manchmal kompliziert, aber als Ärztin bekommen sie eben auch sehr viel zurück. „Die Dankbarkeit und Gastfreundschaft der Menschen leuchtet einem schon manchmal ins Herz. Das ist das Besondere, das für mich auch den Reiz ausmacht, hier zu arbeiten“, so Rubin.