Haltestationen der Praxis-Tour waren das „Paracelsus Gesundheitszentrum“ in Lübeck-Moisling und das „Ärztehaus Fehmarn“ in Burg. Der ärztliche Nachwuchs wurde durch die Aktion über die vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten im hausärztlichen und fachärztlichen Bereich informiert.

Das Wetter spielte von Anfang an mit, als der Tour-Bus am 10. Juni 2015 pünktlich um 9 Uhr bei strahlendem Sonnenschein auf dem Uni-Campus in Lübeck startete. Der erste Eindruck: Die Medizin wird weiblicher. Zwölf der 14 Teilnehmer waren Studentinnen. Sie wollten einen Tag lang funktionierende ambulante Versorgung miterleben und dabei mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten vor Ort ins Gespräch kommen. Die Veranstaltung wurde schon zum zweiten Mal von der KVSH organisiert. Im vergangenen Jahr hatte sie Medizinstudenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eingeladen, Arztpraxen in Rendsburg und Kropp zu besuchen. Schnell machten im Bus die ersten Fragen die Runde: Welche Niederlassungsvarianten gibt es? Wie kann ich Beruf und Familie miteinander vereinbaren? Gibt es Teilzeitmodelle? Die Organisatoren der Praxis-Tour hatten sich auf diese Erwartungshaltung eingestellt und zwei Praxen ausgesucht, die eine besonders große Vielfalt an ärztlichen Fachrichtungen und Beschäftigungsformen bieten.

Niederlassungsvielfalt

Die erste Station war das „Paracelsus Gesundheitszentrum“ in Lübeck-Moisling. Rund 30 Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten haben sich dort in mehreren Einzel- oder Gemeinschaftspraxen unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach zusammengeschlossen und bieten ihren Patienten ein umfangreiches ärztliches Angebot: Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Augenheilkunde, Dermatologie, Gynäkologie, Neurologie, Orthopädie, Pädiatrie, Psychiatrie, Psychotherapie und Urologie. Die Allgemeinmediziner Dr. Gerhard Castan und Dr. Harald Buermann begrüßten die Studierenden und zeigten ihnen auf einem Rundgang, wie in ihrer Praxis ein Rad ins andere greift. Dr. Robert Schulz bot den Studierenden Einblicke in seine Arbeit als fachärztlicher Internist. In der anschließenden Diskussionsrunde kamen noch die angestellte Allgemeinmedizinerin Dr. Bettina Sommer, weitere Ärzte und ein junger Facharzt in Weiterbildung dazu. Die Studierenden erfuhren, welche Vorteile eine größere organisatorische Einheit den dort arbeitenden Ärzten bietet. „Wir haben einen sehr guten Austausch über Fachgrenzen hinweg, kurze Wege und ein interessantes medizinisches Spektrum“, berichtete Buermann. Auch die Niederlassungsmöglichkeiten und Arbeitsmodelle sind entsprechend vielfältig. Alle Ärzte arbeiten in Einzel- und Gemeinschaftspraxen, entweder als Praxisinhaber oder sie sind in Voll- oder Teilzeit angestellt und entsprechend flexibel eingesetzt. „Da ist für jeden etwas dabei. Für mich als vierfache Mutter ist das wichtig, denn in der Niederlassung kann ich auch als angestellte Ärztin selbstbestimmt arbeiten“, erklärte Frau Dr. Sommer. Ihr Arbeitsmodell stieß bei den Medizinstudentinnen auf besonders großes Interesse.

Hausärzte auf der Ferieninsel

Als zweite Station stand das „Ärztehaus Fehmarn“ in Burg auf dem Programm, eine familiengeführte Hausarztpraxis, die mit verschiedenen fachärztlichen Zweigstellen und Therapeuten kooperiert. Dr. Johannes Gerber, sein Vater und Praxisgründer Dr. Eberhard Gerber und Dr. Karola Balzer-Joyce begrüßten die Studierenden auf der praxiseigenen Terrasse. Dr. Gerber junior erläuterte danach auf einem Rundgang durch den denkmalgeschützten Altbau das Wichtigste zum Praxisbetrieb und zur Personalstruktur. In der Praxis arbeiten noch ein Arzt in Weiterbildung und eine hausärztliche Internistin im Angestelltenverhältnis. Danach ging es dann ab ans Wasser. Beim Barbecue in einem Restaurant am Südstrand in Burgtiefe standen die Gerbers den Studierende in entspannter Atmosphäre noch einmal Rede und Antwort, bevor der Tour-Bus am späten Nachmittag zur Rückfahrt Richtung Lübeck startete. Die Praxistour endet dort, wo sie am Morgen begann: 14 etwas erschöpfte Studierende waren sich einig, dass dieser Tag nicht nur eine willkommene Abwechslung zum Uni-Alltag war, sondern auch jede Menge neuer Einblicke in die vielen noch unbekannte Welt der niedergelassenen Ärzte geboten hat.

Jakob Wilder, KVSH